Top Treffer für „

Kein Treffer. Bitte überprüfen Sie Ihre Suche.


Ihre Sparkasse

Finden Sie weitere Informationen bei Ihrer Sparkasse vor Ort.

Schliessen

Weiter, immer weiter: Die Hannes Ocik Story

Es ist ein warmer Augustmorgen in Rio de Janeiro. Die Sonne scheint. Hannes Ocik frühstückt mit seinem Team im Olympischen Dorf. Heute ist der Tag, auf den sie jahrelang hingearbeitet haben. Heute geht es beim Rudern um Gold. Die Anspannung ist spürbar. Eine extrem harte olympische Saison liegt hinter Hannes, lange Monate, in denen er seine Familie weniger gesehen hat als seinenTrainer und im wahrsten Sinne des Wortes Blut, Schweiß und Tränen investiert hat.

Wir haben den Schlagmann des Deutschland-Achters getroffen und mit ihm über das Rudern gesprochen, über die Notwendigkeit von Zielen und die richtige Strategie für den Erfolg.

»Alles fing an, als ich 12 oder 13 war«, erzählt Hannes. »Ich war schon damals etwas kräftiger als andere. Meine Eltern waren selbst Sportler und legten großen Wert darauf, dass ich nach der Schule aktiv war.« Also probierte er viel aus: Leichtathletik, Judo und später Triathlon. »Irgendwann kam ein ehemaliger Ruderer auf mich zu und meinte, dass ich mit meiner Statur eigentlich rudern müsste.«

Gesagt, getan – im Wettkampf feierte Hannes seinen ersten Erfolg. Aus heutiger Sicht die Initialzündung. »Erfolg ist für mich aber nicht unbedingt die Platzierung, sondern das Gefühl, in einem Wettkampf alles gegeben zu haben. Wenn ich merke, dass ich wirklich
an meine Grenzen gegangen bin, kann ich sagen: Das war gut.« Mit 15 wagt der Schweriner Junge den großen Schritt ans Sportinternat nach Rostock, um aus seinem
Hobby mehr zu machen. »Ich schätze, man muss einfach bereit sein, neue Wege einzuschlagen und etwas zu riskieren.« Früh lernt der Leistungssportler, nach Niederlagen wieder aufzustehen.

Aus einem Spruch seines Coaches wird sein Motto »Weiter, immer weiter.« 2011 macht er sein Abi in Rostock und geht anschließend zum Bund. In jeder freien Minute trainiert er.
Olympia ist zu dieser Zeit noch ein Traum, der weit weg ist, für den es sich aber zu kämpfen lohnt. Während seine Klassenkameraden am Wochenende feiern gehen, schuftet der 1,91 Meter große Hannes in Trainingslagern – und wird dafür belohnt: 2009 gewinnt
er mit dem Achter bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Ein Jahr später belegt er den zweiten Platz im Vierer mit Steuermann. Darauf wird auch die Sparkasse aufmerksam und sponsort ihm ein neues Boot.

Damit schafft er den Anschluss vom Junioren- in den U23-Bereich. 2013 tritt Hannes
international erstmals im Deutschland-Achter an und gewinnt mit dem Team Gold bei den Europameisterschaften, anschließend Silber hinter dem britischen Achter bei den Weltmeisterschaften in Südkorea. Mit 22 Jahren ist er der Jüngste im Achter. Es läuft eigentlich alles nach Plan, bis es mit einem Mal kracht.

»Ich weiß es noch wie heute. Ich flog aus Seoul zurück nach Deutschland und saß quasi zwei Tage später mit Jetlag schon wieder in Güstrow in der Schule.« Hannes hatte bei der Polizei-Sportfördergruppe eine Ausbildung begonnen. »Allerdings merkte ich
nun, dass ich mir keine Ruhe gegönnt hatte, um abzuschalten.« Er wird krank und ist eine ganze Zeit lang in einem richtigen Loch. Doch auch dank dem Support seiner Familie
kämpft sich Hannes langsam zurück, und passt seine Strategie zum ersten Mal an. »Das Leben ist wie ein- und ausatmen«, hat mein Trainer immer gesagt. »Ich musste einfach lernen, Luft zu holen.«

Mit neuer Kraft und frischem Antrieb kehrt er 2015 als Schlagmann in den Deutschland-Achter zurück. Das Team gewinnt bei den Europameisterschaften in Polen – vor
den Briten. Das große Ziel Olympia 2016 in Rio rückt näher. Hannes pendelt von einem Trainingslager zum nächsten und lernt parallel dazu für seine Ausbildung. Seine Freundin sieht er in der olympischen Saison 2016 nicht wirklich oft. Alles unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer leicht.

»Mit der Zeit habe ich gelernt Prioritäten zu setzen«, erzählt der 25-Jährige. »Überhaupt habe ich viel gelernt durch den Sport.« Sich im Leben Ziele zu stecken und diese ehrgeizig zu verfolgen ist ein Beispiel, Struktur in den Tagesablauf zu bringen ein anderes. „Wenn ich morgens aufstehe will ich etwas schaffen. Dafür brauche ich Ziele, die mich motivieren.« Hannes ist fokussiert. Er will unbedingt, setzt sich kleine Etappenziele, um den großen Traum zu verwirklichen: Olympia. 2012 stand er noch als Zuschauer an der Strecke. Vier Jahre später wollte er es in Rio wissen.

Im August 2016 ist es soweit. Das große Rennen steht an. Fünfeinhalb Minuten kämpfen Hannes und seine Crew im Achter, legen eine unglaubliche Verfolgungsjagd hin. Am Ende müssen sie sich knapp dem Erzrivalen England geschlagen geben, gewinnen aber eine
fantastische Silbermedaille. »Rio war ein Riesenerfolg. Hier den zweiten Platz zu holen war unglaublich. Ich bin aber noch lange nicht fertig«, gibt sich Hannes nach dem Rennen kämpferisch.

»Ich bin jetzt 25 und sicher: Da geht noch einiges.« Bei seiner Begrüßung durch die OSPA-Sportstiftung, die ihn seit 2012 unterstützt, wird er konkreter. »Japan 2020 ist mein Riesenziel. Da will ich hin.« Die Unterstützung der Stiftung sei dafür extrem
wichtig. Und es sei wichtig, auf echte Partner setzen zu können: »Auch in schweren Zeiten, als ich krank war, hat mich die OSPA nie fallen lassen und an mich geglaubt.
« Das habe sich ausgezahlt. »Es ist im Grunde ein bisschen so wie mit dem Geld. Wer heute
investiert, muss Geduld haben und Vertrauen.«

Anmerkung: Dieser Text erschien bereits als Artikel im OSPA-Magazin Trends, Ausgabe 1/2017.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.